Rücksprung zum vorherigen Bild oder zum letzten Thema
erstellt von Kurt am 07.05.2013 / letzte Änderung am 02.09.2013
Dieser Bericht wurde 891 mal angesehen.
Der Mai-Feiertag 2013 lag günstig, und so bot sich eine kleine Radreise an. Die Zielvorgaben waren schnell gesteckt. Eine nicht zu lange Anfahrt oder Rückfahrt mit der Bahn sollte es sein, damit von den wenigen Tagen möglichst viel zum Radeln übrig bleibt.
Also entschlossen wir uns, mit dem Zug nach Augsburg zu fahren und dann entlang von Lech, Donau, Isar und Inn zurück nach Rosenheim zu strampeln. Zuerst wurde die uneinheitliche Wettervorhersage abgewartet, dann kurz vorher die Übernachtungen von zu Hause aus gebucht. Das machen wir zwar sonst nicht, aber diesmal wollten wir die geringe Zeit nicht mit Zimmersuche verschwenden.
Tag 1 – Augsburg - Donauwörth
Am 1. Mai fuhren wir mit dem frühen Zug um 6:30 Uhr
in Rosenheim los, und so waren wir trotz obligatorischer Verspätung der DB gegen 8:30 Uhr in Augsburg. Alle Etappen hatten wir uns mit dem OpenRouteService im Vorraus planen lassen. Dadurch war die Wegfindung besonders in den Städten recht einfach. Auch wenn in Augsburg überall Wegweiser standen, waren die Wege zum Radeln geradezu chaotisch. Es ging über Kopfsteinplaster, was selbst uns mit breiten 2,5 Zoll Ballonreifen kräftig durch schüttelte, dann musste man ständig darauf achten, nicht in die Straßenbahnschienen zu kommen, was unweigerlich zum Sturz führt. Selbst der Gehweg ließ kaum Alternativen zu. Aber der neuste ADFC-Klimatest von 2013 lässt grüßen, Augsburg landet auf Platz 32 von 38 in der Kategorie der Großstädte.
Endlich hatten wir das Lech-Ufer erreicht und es ging ruhig dahin. So früh waren noch keine Mai-Ausflügler unterwegs. Zwischen Lechkanal und dem Fluss ließ es sich recht angenehm radeln, lediglich die langen, geraden Stücke am Kanal waren etwas öde. Nach ca. 20 km, bei Herbertshofen verließen wir die Flussauen und radelten ein kurzes Stück parallel zur Kreisstraße nach Meitingen, um dort ausgiebig zu frühstücken. Meitingen hatten wir gewählt, weil wir dort Bekannte treffen wollten. Ansonsten ist es aus unserer Sicht keinen Abstecher wert. Selbst Wikipedia fällt dazu nicht viel ein.
Nach dem Ort trafen wir auf die ursprünglich geplante Strecke,
die sich jetzt auch vom Fluss entfernt hatte und radelten über ruhige Landstraßen und Wirtschaftswege durch kleine Orte unserem heutigen Ziel Donauwörth entgegen.
Dort wo Mozart schon seit 1777 immer wieder nächtigte, bezogen auch wir unser Quartier. Donauwörth ist sehenswert mit viel historischer Bausubstanz, schönen Parks und gemütlichen Einkehrmöglichkeiten. War es tagsüber trotz anders lautender Vorhersage sonnig und trocken, gingen abends kräftige Gewitter nieder. Eins sollte noch unbedingt erwähnt werden. Die Tourist-Info hat sehr kundenfreundliche Öffnungszeiten, täglich 9:00 – 18:00, an Sonn- und Feiertagen von 15:00 bis 18:00 Uhr.
Tag 2 – Donauwörth – Ingolstadt
Heute morgen schien die Sonne, aber es war empfindlich kalt. Das Frühstück, natürlich im Mozart-Cafe, hätte sicherlich auch den berühmten Gast voll und ganz zufrieden gestellt.
Zum Abfahrtstermin hatte sich die Sonne inzwischen schon wieder rar gemacht und hüllte den Himmel in schlichtes Grau. Der Donauradweg verlief gleich hinter dem Haus und war nun unser Begleiter für diesen Tag. Vom Profil her war der gestrige Tag leicht, heute verlangte die Strecke gleich einiges von uns ab. Der Weg führt halt nicht immer entlang der Donau, es geht über den einen oder anderen Hügel. Leitheim liegt auf einem solchen gemeinsam mit einem Schloss. Das ist aber im Privatbesitz und nicht zu besichtigen. Trotz der schlappen 14 Grad wurde es uns an den Bergen ganz schön warm. Diese Hügel sind für ein unbeladenes Rad nicht erwähnenswert, aber mit dem Gepäck kommt man/frau schon ins Schnaufen. Nachdem wir nun auch den vierten Hügel bezwungen hatten, lag Neuburg an der Donau vor uns. Dieser Ort ist ein Muss
für Jeden, der hier vorbei kommt. Wir überquerten die Donau, schossen das eine oder andere Foto und begaben uns Richtung Altstadt. Wir dachten noch, schön wäre jetzt eine sichere Abstellmöglichkeit für die Räder und siehe da, schon ging unser Wunsch in Erfüllung.
Die Stadt bietet in einem Kellerraum der Stadtmauer Radboxen an, zweimal gesichert, einmal durch die Kellertür und dann am Verschlag für die Räder. Die Schlüssel gibt es in der Touristinfo gratis, durchgehend besetzt, täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr. Wenn man bedenkt: Rosenheim hat zwei Radboxen, die an Einheimische dauervermietet sind, von den kundenunfreundlichen Öffnungszeiten an Wochenenden ganz zu schweigen (Sa 10-14 Uhr, So geschlossen). Ja, liebe Heimatgemeinde, es geht
auch anders, wenn man nur will. Aber will man überhaupt? Hofiert man nicht lieber die Autofahrer?
Aber zurück nach Neuburg/Donau. Die Stadt ist zweigeteilt, Alt- und Neustadt. Die Altstadt wirkt wie ein einziges Museum, schade dass sie auf allen Wegen von Autos zu gestellt ist. Die Neustadt hat den Charme wie so viele Neustädte halt sind, zweckmäßig gestaltet. Nach einem kleinen Imbiss verließen wir die Stadt. Sechs nicht enden wollende Kilometer schnurgerade entlang einer gut befahrene Straße brachten uns wieder in ruhigere Gefilde. Schlösser, große Gutshöfe und schöne Alleen mit altem
Baumbestand säumten jetzt unseren Weg nach Ingolstadt.
Wer Ingolstadt hört, denkt an Audi. Ist auch so, aber nicht nur so. Wir bezogen ein Hotel mitten in der Altstadt, ein idealer Ausgangspunkt für unsere Stadtbesichtigung. In der Tourist-Info gab es einen Plan für den Stadtrundgang. In der Altstadt gibt es selbst passend zu dem Flyer Wegweiser und Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten. Und wer es noch multimedialer will, für den sind die Hinweistafeln mit Barcode ausgestattet. Somit sind weitere Informationen mit dem Smartphone abrufbar.
Tag 3 – Ingolstadt – Landshut
Über Nacht hatte es wieder etwas geregnet, die Straßen waren noch nass, aber von oben kam kein Nachschub mehr, obwohl der Himmel sehr bedrohlich aussah. Wir fuhren auf der linken Donauseite aus der Stadt hinaus, überquerten in Großmehring den Fluss und kamen vorbei an Kraftwerken und Raffinerien in die alte Herzogstadt Vohburg. Bis hierher war lediglich der frische
Ostwind gegen uns. Jetzt, nachdem wir die Donau verlassen hatten und südostwärts Richtung Landshut abschwenkten, kam der Faktor Berg hinzu. Die heutige Strecke hatte es sowohl höhen- als auch kilometermäßig in sich. 86 Kilometer und ca. 500 Höhenmeter sollten es werden, mit Gepäck für mehrere Tage nicht immer ein leichtes Unterfangen.
Hinter Vohburg ging es in den Dürnbucher Forst, ein Waldgebiet, das zu den größten in Bayern zählt. Zwölf Kilometer Wald lagen jetzt vor uns. Zumindest machte sich hier der Ostwind nicht so bemerkbar. Wieder aus dem Wald heraus begrüßte uns das Hopfenland Hallertau.
Dies ist das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Wir hielten in jedem Ort Ausschau nach einem geöffneten Gasthaus, vergeblich. Nach über 20 km war es dann soweit, in Pfeffenhausen hatten wir gleich die Qual der Wahl. Gut gestärkt konnten wir die nächsten zehn hügligen Kilometer angehen. Auf den restlichen 15 km bis Landshut wartete außer Gegenwind kein Hindernis mehr auf uns.
In der Stadt an der Isar wohnten wir auf der Mühleninsel, die links und rechts von der Isar umspült ist. Landshut ist Sitz der Regierung von Niederbayern und absolut sehenswert.
Die gemütliche Fußgängerzone, von vielen liebevoll hergerichteten Fassaden und der über allem thronenden Stiftsbasilika St. Martin gesäumt, lädt den Besucher zum Verweilen ein, also auch uns. Im Gasthaus der kleinen Privatbrauerei Wittman haben wir es uns gut gehen lassen. Bier und Spargel waren jedenfalls köstlich. Einem Herrn Bauer muss es hier auch gut gefallen. Auf unserem Tisch stand ein Reservierungsschild, auf dem dieser Herr fast täglich seinen Platz beanspruchte.
Tag 4 – Landshut – Mühldorf
Nach ausgiebigem Frühstück verabschiedeten wir uns gegen 9:00 Uhr von der Insel, und kaum, dass wir die Isar verlassen hatten, warteten wieder die ersten Berge auf uns.
Zuerst ging es idyllisch an einem kleinen Bach entlang, dann ein kurzes Stück auf der stark befahrene B15 und danach weiter auf ruhigen Kreisstraßen. So hatten wir nach acht Kilometern schon wieder über 100 Höhenmeter in den Beinen. Wir befanden uns jetzt auf dem Isar-Vils-Radweg. Dieser benutzt weniger Wirtschaftswege, dafür mehr dieser verkehrsarmen Kreisstraßen. Der Wind hatte heute auch leicht gedreht, war aber immer noch gegen uns. Wir hatten bewusst die Streckenführung dieser gesamten Reise von West nach Ost gewählt, weil in unseren Breiten der Wind fast immer von Westen her bläst. Nur bei dieser Radreise hatte er sich wohl entschieden, mal die Richtung zu wechseln.
Schon von weitem war ein großer Kirchturm ähnlich der Martinskirche in Landshut zu sehen. Der Ort
hieß Geisenhausen und wir besichtigten das Bauwerk. Die Kirche heißt, wen wunderst, Pfarrkirche St. Martin und wurde vom gleichen Baumeister erbaut, der an der Landshuter Martinskirche maßgeblich beteiligt war. Ansonsten war neben dem Einkaufstrubel nicht viel los in dem Ort und wir fuhren weiter.
Vilsbiburg lag nicht auf unserer direkten geplanten Route, einen Abstecher war es uns jedoch wert. In dem beschaulichen Altstadtkern war Markt. Hier legten wir die Mittagspause ein, kauften noch ein paar Antipasti an einem der vielen Marktstände und machten uns wieder auf den Weg. Am Ortsrand von Vilsbiburg gibt es noch eine Besonderheit. Schon vor der Stadt wird auf einem Wegweiser auf eine Radfahrer-Kirche hingewiesen. Wir waren neugierig und sind hin gefahren.
Leider war sie geschlossen. Auf einer Hinweistafel stand, was uns erwartet hätte:
"Ein Ort der Ruhe und Erfrischung"
Es stehen zur Verfügung
- Mineralwasser
- Erste-Hilfe-Ausrüstung
- Toiletten
- Kartenmaterial
- Luftpumpe
Drei ausgewählte Stationen im Kirchenraum laden zum Verweilen ein.
Evangelische Christuskirche und Radfahrerkirche Vilsbiburg
Inzwischen war es so sonnig und warm geworden, dass wir uns trauten, sommerlich aufs Rad zu steigen. Und es war nun schon den vierten Tag trocken, obwohl sich der Wetterbericht täglich alle Mühe gab, uns vom Gegenteil zu überzeugen. Zwanzig Kilometer und nicht wenige An- und Abstiege weiter kamen wir nach Neumarkt Sankt Veit, einem
ebenfalls lohnenden Ort mit einer beschaulichen, kleinen Altstadt.
Aus dem Ort hinaus nahmen wir einen schön angelegten Radweg an einem Bach entlang, kamen dann jedoch wieder auf die gewohnten Kreisstraßen. Da diese als Radwege ausgeschildert sind, wurden sie natürlich von unserem Routenplaner ausgewählt. Oftmals führten nicht weit davon, fast parallel zu unserer Route Wirtschafts- oder geteerte Feldwege. Warum man hier lieber die Kreisstraßen als Radwege ausweist, hat sich uns nicht ganz erschlossen. Jetzt trennten uns weitere zwanzig Kilometer und noch einige zähe Anstiege von unserer Unterkunft in Mühldorf.
In der Stadt am Inn angekommen, wurden wir erst einen steilen, wenn auch schönen Fußweg in die Innenstadt hinab geleitet, dann ging es über Kopfsteinpflaster durch die stark vom
Autoverkehr frequentierte Altstadt. Dafür, dass hier der motorisierte Verkehr zugelassen ist und die ganze Idylle durch Lärm und Gestank zunichte macht, konnten wir kein Verständnis aufbringen, zumal eine Häuserzeile weiter genügend Parkplätze zur Verfügung stehen. Aber solange es die Stadt nicht verbietet, muss Jede/r hier seine Karre zur Schau stellen, bzw. ist nicht in der Lage, drei Schritte zu Fuß zu gehen.
Unsere Unterkunft lag etwa 10-15 Minuten Fußweg vom Zentrum entfernt, ruhig gelegen oberhalb vom Inn. Als wir eintrafen, war der Wirt gerade dabei, frisch geangelte Fische als Steckerlfisch zu zubereiten. Unsere Bestellung wurde somit gleich entgegen genommen. Wir besichtigten noch kurz die Altstadt und kehrten alsbald genervt durch den Autolärm zu unserer Idylle am Inn zurück und ließen den Abend gemütlich ausklingen.
Tag 5 – Mühldorf – Rosenheim
Die Nacht am Inn war angenehm. Das Plätschern des hauseigenen Wasserfalls hatte uns in unserer gemütlichen Unterkunft geradezu in den Schlaf gelullt. An diesem Morgen war es noch leicht wolkig, aber bereits zum Frühstück stand fest, heute kommt die sommerliche Radkleidung dran. Auch der Wind war heute endlich auf unserer Seite und blies uns kräftig in den Rücken.
Die Strecke Mühldorf – Rosenheim ist uns bekannt und so wussten wir auch, was uns wo erwartet. Die ersten 30 Kilometer bis Gars waren ohne nennenswerte Höhen zu bewältigen. Ab dem Sportplatz von Gars geht es erst noch ein Stück am Inn entlang, bevor unerwartet das Gelände ansteigt. Jetzt gilt es, sich die nächsten Kilometer zähe, zum Teil recht steile 100 hm hinauf zu quälen.
Unser Trost war, dass eine MTB-Fahrerin, sicherlich 20 Jahre jünger als wir und ohne Gepäck sich noch mehr mit den Steigungen quälte. Nach weiteren 15 Kilometern im leicht welligen, aber wunderschönen Wasserburger Land erreichten wir Eiselfing, wo wir im Gasthof Höhensteiger unsere Mittagspause einlegten, um dann die restlichen 30 Kilometer über Griesstätt Richtung Rosenheim zu absolvieren.
Zum Schluss
Es war eine tolle kleine Radreise an der Donau und ihren großen Nebenflüssen, fünf Tage in vielen interessanten Orten, 350 km und 1700 Höhenmeter, und trotz hartnäckiger Regenvorhersage blieb es trocken.
Rücksprung zum vorherigen Bild oder zum letzten Thema
Diverse Berichte
1. Augsburg - Dona ...
2. Donauwörth ...
3. Ingolstadt - La ...
4. Landshut - M&uu ...
5. Mühldorf - ...
Freie Weltkarte
Das Dokument ist zu Ende. Es folgt nur noch die Navigation in der Fußzeile.