Rücksprung zum vorherigen Bild oder zum letzten Thema
erstellt von Kurt am 02.07.2015 / letzte Änderung am 30.11.2022
Dieser Bericht wurde 1554 mal angesehen.
Dieser Bericht beschreibt eine Radreise entlang der Eger, dann über Plzen und Regensburg zurück nach Rosenheim.
Tag 01 - Anfahrt mit dem Zug nach Eger
Mit der Zug-Vielfalt im heutigen
Deutschland begaben wir uns auf Fahrt von Rosenheim nach Cheb (deutsch: Eger) in Tschechien. Bis nach München brachte uns der Meridian, dann ging es weiter mit dem Alex nach Marktredwitz und von dort mit einer weiteren Gesellschaft nach Cheb. In Marktredwitz beschied uns die Dame vom DB, dass wir ab Schirnding nicht mehr mit dem Bayern-Ticket fahren dürfen. Wir hätten halt ein Bayern-Böhmen-Ticket lösen müssen. Wegen den Fahrrädern drückte sie für die 5 km "großzügig" ein Auge zu, aber als Personen mussten wir 10 Euro nachlösen. Obwohl der Zug aus Nürnberg schon einfuhr, war Eile geboten, die Karte am weit
entfernten Schalter nachzulösen.
Endlich waren wir in Cheb, bezogen unsere nette Unterkunft mitten in der Altstadt und hatten bald beflügelt durch den Flair der Stadt den Bahn-Wirrwarr vergessen. Der Stadtplatz, gesäumt von liebevoll hergerichteten Fassaden ist einfach eine Wucht. Aber die gesamte Altstadt ist gemütlich und zum Wohlfühlen. Durch unseren Vermieter wurden wir auf das Lokal Incognito aufmerksam und speisten vorzüglich zu Preisen, die bei uns in Oberbayern schon lange der Vergangenheit angehören.
Tag 02 - Cheb nach Karlsbad
Bei unserer gestrigen Ankunft im
Hotel in Cheb wurden unsere Räder für uns in die Garage gebracht und sicher aufbewahrt. Nach dem anschließenden Stadtbummel, geruhsamer Nacht und einem guten, liebevoll hergerichteten Frühstück im Kellergewölbe des altehrwürdigen Hauses ging es endlich mit den Rädern los.
Der Radweg an der Eger oder Ohre, wie sie hier heißt, beginnt gleich hinter der Fußgängerzone. Das hatten wir gestern schon beim Stadtrundgang gesehen.
Die Eger windet sich gemächlich dahin, und in ebenso vielen Kurven folgt ihr der frisch angelegte Radweg. Das Land ist dünn besiedelt, auf den Wiesen wächst alles, was in den landwirtschaftlichen
Nutzflächen anderswo tot gespritzt wird. Es ist wahrlich ein Genuss, das durchfahren zu dürfen.
Immer wieder lohnt es sich, einen Abstecher in die Orte am Rand des Weges zu machen. An der Gemeinde Sokolov führte erst der Weg an Plattenbauten und abgetrennt durch abweisende Fernwärme-Rohre entlang, bis sich eine Unterführung bot, die uns in die nette Altstadt leitete. Hier genehmigten wir uns je nach Vorliebe entweder einen Kaffee oder ein Pilsner Urquell. Zweites "lacht" einen förmlich an jeder Ecke an. Was in anderen Reisebeschreibungen ein Flat White ist, war hier das Urquell vom Fass.
Nicht weit von Sokolov hörte der Teer auf, und ein schöner, naturbelassener Weg war nun unser Begleiter. An einer Hängebrücke genossen wir den Blick auf die Eger, die auch hier, wie schon vorher, in ihrem ursprünglichen Bett dahin fließen darf. Dann ging es weiter nach Loket, dem Böhmischen
Rothenburg. Schon von Weitem thronte hoch auf dem Berg über der Eger die Burg. Diese ist mit der Altstadt fast komplett von der Eger umschlossen. Sehr idyllisch, auf halbem Wege um den Berg, wies ein Schild hinauf ins Zentrum. Wir entschieden uns für den steilen Anstieg und wurden mit einem Stadtkern vom Feinsten belohnt.
Dann wurde es richtig romantisch. Die Eger wurde mehr und mehr links und rechts von Felsen eingezwängt. Dann endete auf der linken Fluss-Seite der Radweg und wir mussten mit den schwer beladenen Rädern eine Hängebrücke überqueren. Das ist schon eigenartig. Man hat das Gefühl, sein Gefährt nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Die "Fahrbahn" schwankt unter den Rädern hin und her. Die Landschaft war
atemberaubend schön. Wir fühlten uns wie in der Fränkischen Schweiz und am Donaudurchbruch gleichzeitig.
Jetzt waren es nur noch sechs Kilometer nach Karlsbad. Das sollte doch ein Klacks sein. Zwei offizielle Wege wurden uns angeboten. Wir befragten unser Navi, wie es zum vorgebuchten Hotel geht und bekamen eine dritte Route zur Wahl. Diese nahmen wir.
Es ging anfangs steil bergan, dann über einen einsamen, aber gut zu befahrenden Waldweg. Als es wieder bergab ging, wähnten wir uns auf einem geteerten Weg vorbei an einem mit vielen Autos gesäumten Picknickplatz in sicherem Terrain. Aber unser Navi hatte anders geplant, wir mussten den guten Weg verlassen und über eine
MTB-Piste, die uns hin und wieder aus dem Sattel zwang, steil hinunter in den Ort der heißen Quellen. Der offizielle Weg wäre sicherlich entspannter gewesen, aber ein wenig Abenteuer muss schon sein.
Wir kamen also von oben nach Karlsbad hinein, und die Pracht des Ortes erschlug uns fast. Es nahm uns fast den Atem, als uns dieses Juwel zu Füßen lag. Wir kamen direkt am Hotel in den Ort und checkten ein. Für die Räder gab es keinen extra Raum. An der Rezeption wurde uns angeboten, die Räder mit auf das Zimmer zu nehmen. Das wäre mit dem Aufzug kein Problem. Also nahmen wir sie mit in den 4. Stock. Das Hotel hatten wir vorher im Internet für 40 Euro gebucht, ein absolutes Schnäppchen für diesen mondänen Ort.
Nach ein wenig
Verschnaufen und Erfrischung ging es zur obligatorischen Besichtigung unseres Aufenthaltsortes. Karlsbad ist einfach einen Besuch wert. Man wird praktisch von dem Prunk der Gebäude dieses weltbekannten Kurortes erschlagen. Das wissen auch die vielen Gäste aus aller Welt.
Zuerst schlenderten wir die Fußgängerzone hinab, um alle paar Meter stehen zu bleiben und die herrlichen Fassaden zu bewundern. Ein moderner Neubau, der gar nicht so recht in die historischen Fassaden hineinpassen will, beherbergte dann die ersten heißen Quellen, die es ab hier nun Schritt auf Tritt gibt. Wir erwarben die typische Karlsbader
Tasse, um ebenfalls von dem Wasser zu schlürfen. Bis zu 80 Grad Celcius heiß kommt es hier aus der Erde. Über den Geschmack lässt sich jedoch streiten, obwohl es sehr gesund sein soll.
Wir verließen das moderne Gebäude und kamen in die Säulenhalle. Auch hier in den prunkvollen Arkaden sprudelt das edle Nass überall aus den Quellen hervor. Manche Quellen werden von den Menschen hier besonders verehrt, die Auslassöffnungen, z.B. in Form eines Schlangenkopfes liebevoll gestreichelt, bevor man sich die Tasse füllt. Fast jeder Besucher der Stadt läuft mit einem solchen Gefäß herum, wir natürlich auch.
Besichtigen
macht bekanntlich hungrig und durstig. Beim „Braven Soldaten Svek“ - POSEZENÍ U SVEJKA - fanden wir eine nette Einkehr im Hinterhof und ließen es uns bei böhmischer Küche und Pilsner Urquell gut gehen. Die Preise waren hier allerdings gegenüber Cheb sicherlich doppelt so hoch, wenn auch noch günstiger als in Oberbayern. Dann testeten wir noch frische Karlsbader Oblaten und zum Abschluss ließen wir den Tag mit einem Becherovka, ebenfalls einer Karlsbader Spezialität, ausklingen.
Tag 03 – Karlsbad nach Kadan
Am Morgen fuhren wir mit dem Rad noch einmal an den
Prunkbauten vorbei, machten das eine oder andere Foto von Objekten, die am gestrigen Tag schon im Schatten lagen und kamen nach einem Tunnel in die moderne Stadt mit Straßen, Brücken und Kreisverkehr.
Der geplante Weg erwies sich als nicht so günstig. Der Radweg lag auf der anderen Seite der Eger, und es schien, als sollten wir ihn nicht erreichen. Endlich fanden wir eine Verbindung über den Fluss, die es zuließ, von der Brücke auf den darunterliegenden Radweg abzubiegen. Jetzt waren wir wieder auf dem Eger-Radweg und es konnte gemütlich, wie am Vortage weiter gehen – aber denkste!
Nur kurz hinter
Karlsbad verließ der Radweg den Verlauf des Flusses, und es ging steil hinauf und auf der anderen Seite wieder ebenso steil hinab ins Tal der Eger, die sich um den eben von uns bezwungenen Berg geschlungen hatte. In Radosov erwartete uns eine interessante, überdachte Holzbrücke über die Eger. Wie auch hier sahen wir immer wieder Kanuten auf dem Fluss, die im Gegensatz zu uns dem Verlauf des Flusses folgen durften. Aber die Höhenfahrten hatten auch einiges zu bieten. Der Blick in das Flusstal aus den verschiedenen Perspektiven war äußerst reizvoll. Zudem bot sich gegenüber einem, dem Fluss begleitenden Radweg, ein gewisser Gesamtüberblick der Landschaft.
Wir folgten bisher immer dem von uns aufgezeichneten Weg.
Da jedoch die Beschilderung des Radweges Nr. 6 – Eger-Radweg sehr vorbildlich war, entschieden wir uns ab hier, diesem zu folgen. In Vojkovice folgten wir also der Beschilderung und kamen in Jakubov auf einen sehr schönen Panoramaweg. Unser Navi zeigte an, dass der vorbildliche Weg der OSM-Kategorie G1 in den ungünstigsten dieser Art, also einen kaum erkennbaren Wiesenweg der Kategorie G5 übergehen sollte. Das konnten wir uns bei einem Fernradweg nicht vorstellen – aber es kam so.
Irgendwann hatte uns die Zivilisation wieder, aber es wartete immer wieder die eine oder andere Höhe auf uns. Fünf
Kilometer vor Klasterce nad Ohri kamen wir wieder in Flussnähe und es wurde flach. Flankiert von Datschen, die sich idyllisch an die Felsen schmiegten, dazwischen der Weg und dahinter die gemächlich dahin fließende Eger mit flachen Ufern, die zum Baden einladen. Es machte einfach Spaß, hier fahren zu dürfen.
Der Ort Klasterce nad Ohri wartete mit einem fürstlichen Schloss hoch über den Ufern der Eger auf uns. Wir durchfuhren den Schlosspark und kamen bald zu unserem heutigen Tagesziel, nach Kadan. In der Touristinfo fand sich schnell ein Zimmer, und der obligatorische Stadrundgang konnte beginnen. Wie schon vorher in diesem Bericht beschrieben, sind dies Orte sehenswert und unbedingt einen Abstecher, oder besser noch eine Übernachtung wert. Im Biergarten unter schattigen Kastanien beim Schützenwirt ließen wir den Abend ausklingen.
Tag 04 – Kadan nach Manezin
Ein letzter rückwärtiger Blick auf unsere gestrige
Bleibe hatte Bilderbuchcharakter. Dann ging es los. Wir folgten der Beschilderung entlang der Eger. Kurz danach wurde es haarig, der Radweg endete in einen schmalen Trampelpfad, aber weiterhin beschildert als Radweg Nr. 6. In Tschechien hat man anscheinend andere Vorstellungen von einem Radfernweg.
Nach ein paar Kilometern auf einer mäßig befahrenen Straße ging es auf eine ruhige Nebenstrecke. Felder in leuchtendem Blau warteten auf uns. Es ging ruhig und ohne nennenswerte Höhen dahin. Dann begann langsam das
Bergprogramm. Dass heute einige Höhen auf uns warten würden, hatten wir bereits bei der Planung realisiert. Was dann daraus wurde, bei teilweise 38 Grad, war eine andere Sache.
Die Radwege in diesem Land sind vorbildlich ausgeschildert, so wie es im Autoverkehr üblich ist. Es wird die Nummer des Radweges angegeben, das nächste Ziel und das Fernziel in Kilometern und natürlich die Richtung. Überregionale Radwege sind einstellig, je nach regionaler Unterordnung werden sie 3-4stellig. Immer wieder gibt es einen kurzen Hinweis mit der Radweg-Nummer. Das gibt Einem Sicherheit, auch auf zweifelhaften Wegen, richtig zu sein. Fernziele sind oft Orte, die eine besondere Sehenswürdigkeit besitzen.
So war es auch mit Valec,
das schon über 20 km vorher angekündigt wurde. Das Schloss grüßte schon vom Weiten. Hier dachten wir, das Höhenprogramm des Tages abgeschlossen zu haben und einer entspannten Abfahrt gen Plzen entgegen zu sehen. Die angepeilte Höhe des Tages von ca. 600 m über N.N. hatten wir zwar, aber es war noch nicht das Ende. Durchsetzt mit kleinen Abfahrten und erneuten Anstiegen erreichten wir immer wieder diese magische Höhe. Dann ging es endlich rasant bergab, und unser auserwähltes Tagesziel Manetin schien greifbar nahe.
In Chysky legten wir unsere Mittagspause ein, verspeisten die mitgebrachte Brotzeit, gönnten uns ein
Pivo unter dem Schatten der Bäume, und sahen uns dem Tagesziel nahe.
Und dann kam der nächste Berg. Wieder 150 hm hinauf. Langsam wurde es lästig. Irgendwann erreichten wir Manetin nach 65 km und 1035 hm. Geschafft bewältigten wir heute ein Minimalprogramm an Stadt- und Schlossbesichtigung, speisten zu sehr moderaten Preisen im Schlossrestaurant und ließen den Tag ruhig ausklingen.
Tag 05 – Manetin nach Plzen
Zu Hause
in der Gesamtplanung der Reise hatten wir gesehen, dass es nach Manetin nur noch bergab gehen würde und wir somit Plzen mühelos erreichen. Da hatten wir wohl einen kleinen Höhenzug von 620 m übersehen, übrigens die höchste Erhebung der Strecke von Kadan nach Plzen. Also hieß es wieder hinauf strampeln. Die Strecke verlief durch ein Waldgebiet und Heerscharen von Fliegen fühlten sich wohl durch unseren Schweiß förmlich angezogen, der bei fast 40 Grad Celcius in Strömen floss. Es war einfach nervig. Das Gelände war mehr als hüglig, nichts für gemütliche Flussradler wie Elbe oder Weser und das mit schwerem Reisegepäck.
Irgendwann
nach 41 km und 520 hm erreichten wir Plzen. Die Touristinfo, fand trotz fast hoffnungsloser Situation (es fand ein internationales Open-Air-Konzert in Plzen statt) eine Bleibe für uns im Hotel Continental. Das hatte bestimmt schon eine lange Geschichte hinter sich, war aber inzwischen recht nett renoviert und befand sich bei moderaten Preisen direkt in der Altstadt. Noch ein Wort zu der Tourist-Info in Plzen: Die täglichen Öffnungszeiten (auch Sa .und So.) sind von 9:00 bis 19:00 Uhr. Wenn wir da an unsere Heimatgemeinde Rosenheim denken, da werden sich die Gäste am Wochenende selbst überlassen – traurig aber wahr.
Von unserem Zimmer vom alt
ehrwürdigen Hotel Continental, das noch einen leicht sozialistischen Hauch ausstrahlte, hatten wir einen direkten Blick auf die Pilsner Brauerei. Nur gut, dass wir uns bei unserer Reise immer wieder auf ein kühles Pilsner Urquell vom Fass freuten. Ein Blick auf die Molkerei, die die Milch für einen Flat White herstellt, wäre sicherlich nicht so erquicklich gewesen.
Um 15:00 Uhr
war die Stadtführung in deutscher Sprache angesagt. Wir machten uns frisch, sofern das bei fast 40 Grad im Schatten möglich ist und waren rechtzeitig vor Ort. Die nette Stadtführerin brachte viel Wissenswertes zu Plzen rüber.
Danach begaben wir uns zur Brauerei vom berühmten Pilsner Urquell, die wir besichtigten. Es war ganz interessant, zu erfahren, wie das edle Nass hergestellt wird, obwohl die anschließende Verkostung etwas spärlich ausfiel.
Nach dem Abendessen in der Stadt begaben wir uns zur wohlverdienten Nachtruhe, die wohl heute etwas laut ausfallen würde, denn die "Artisten" des nahen Rockkonzertes gaben inzwischen ihr Ganzes.
Tag 06 – Plzen – radfrei
Nach mehr
oder weniger geruhsamer Nacht bei tropischen Temperaturen stand heute eine Besichtigung der Objekte auf dem Programm, die wir gestern aufgrund von Zeitmangel ausgelassen hatten. Als erstes bestiegen wir die begehbaren 56 Meter des 102 Meter hohen Turm der Kathedrale St. Bartholomäus. Dies ist der höchste Kirchturm von der Tschechischen Republik. Die Rundumsicht über die Stadt ist grandios.
Danach war die große Synagoge an der Reihe. Sie ist nach Budapest die zweitgrößte von Europa. Dann besichtigten wir noch die alte Synagoge, die sich unscheinbar in einen Hinterhof versteckt. Aufgrund der enormen Hitze von ca. 40 Grad beendeten wir das Besichtigungsprogramm und suchten uns einen
schattigen Platz.
Im Hotel Continental wollten wir diesen Bericht auf unsere Internetseite laden, was lt. Rezeption nur in der Lobby funktioniert. Zudem muss man hier bei Facebook Mitglied sein, die Hotelseite "liken" und erhält erst danach einen freien WiFi-Zugang. Ein Hotel in dieser Kategorie sollte ein freies WLan nicht mit Bedingungen verknüpfen. Einen Facebook-Account zu eröffnen, waren wir nicht bereit. Uns wurde daraufhin empfohlen, doch ins nächste Cafe zu gehen. Das fanden wir nicht in Ordnung.
Tag 07 - Plzen nach Domazlice
Gestern hatten wir wohl den wärmsten
Tag, und so war es gut, dass wir noch einen Tag in Plzen pausierten. Am Abend bis 11:00 Uhr beschallte uns noch das Rock-Konzert mit dumpfen Bässen, die die Scheiben vibrieren ließen, danach gab Petrus sein Bestes. Nur zweites hatte den Effekt, dass es von Regen begleitet war und die Bruthitze etwas milderte.
Wir entschieden uns heute früher loszufahren. Im Continental sollte es schon ab 7:00 Uhr Frühstück geben. Als wir erschienen gab es Nichts. Gegen 7:30 Uhr bekamen wir dann ein individuelles Frühstück; wir waren wohl die einzigen Gäste. Die Dame an der Bar beschäftigte sich mit dem Zählen von Inventar-Gegenständen. Jeder war hilfsbereit und freundlich, aber Alles in Allem wirkte das Haus etwas sozialistisch verstaubt.
An den vielen
Trinkbrunnen der Stadt füllten wir unsere Flaschen, und dann ging es los. Der Weg führte nochmal an der Pilsener Brauerei vorbei, und dann folgten wir zunächst dem Fluss Radbuza, gesäumt von vielen Festival-Besuchern, da sich hier das Gelände der nächtlichen Beschallung befand.
Fast 10 km brauchten wir, um die Stadt endgültig zu verlassen. Dann war auch der Radweg vorbei, und die weitere Streckenführung verlief über ruhige Landstraßen. Bei Kilometerstand 20 nach Plzen erreichten wir den netten Ort Dobrany. Bis dahin war es relativ flach. Jetzt begann langsam das Höhenprogramm des heutigen Tages. Unser heutiges Etappenziel Domazlice war hier mit 47 km angegeben. Vorher in Plzen hatten wir noch aufgrund der großen Hitze und den bevorstehenden Bergen ein Zwischenziel dorthin gesucht. Die Tagesstrecke war landschaftlich recht schön, die Berge
zäh, der uns ständig entgegen wehende Westwind teilweise stürmisch und lästig und die Orte an dem Weg so verschlafen, dass wahrscheinlich ein Hund hier nicht freiwillig begraben werden möchte.
Dann erreichten wir Domazlice, ein weiteres Prunkstück der Orte, die wir in Tschechien besuchen durften. Die Touristinfo hatte aufgrund eines Feiertages geschlossen. Doch wir fanden schnell in der Pension Tiffany eine originell hergerichtete Unterkunft. Ein letztes Mal gönnten wir uns Pilsner Urquell vom Fass mit einem abschließenden Becherovka und fielen dann nach 65 km und 580 hm erschöpft ins Bett.
Tag 08 - Domazlice nach Roding an der Regen
War gestern
aufgrund eines Feiertages die Stadt wie ausgestorben, tobte heute förmlich das Leben am Stadtplatz. Wir kauften noch den Tagesproviant einschließlich reichlich Wasser und verließen dann schnell die Innenstadt. Das Gelände stieg ab dem Ortsende kaum merklich an. Der Weg verlief angehehm schattig, gesäumt von schönen, alten Bäumen. Plötzlich war der Weg zu Ende und wir mussten an einem Bahngelände quer über den Verladeplatz von Holz. Dann ging es auf einem separaten Weg entlang der stark befahrenen Straße. Diese verließen wir bei Babylon und das Gelände wurde steiler. Bei Kilometer 17 hatten wir auch die letzten Höhen geschafft. Der Deutsche Bundesadler begrüßte uns. Unsere Tour durch Tschechien war beendet.
Die Reise ging jedoch weiter. Nach steiler Abfahrt erreichten wir
Furth im Wald, absolvierten eine kurze Innenstadtbesichtigung mit dem Rad und steuerten Cham an. Hier machten wir Mittagspause in einem Restaurant. Spätesten jetzt waren wir sicher, wieder in Deutschland zu sein. Die Halbe Bier schlug mit 3,40 Euro zu Buche. Gestern in Domazlice für die gleiche Menge Pilsner Urquell mussten wir umgerechnet etwa 1,30 Euro hinlegen. Danach ging es zur Touristinfo, weil wir noch bis Roding fahren wollten, um dort zu nächtigen. Die nette Dame besorgte uns eine Bleibe. Als wir sagten, nun den letzten Kilometern ohne Höhen entspannt entgegen zu sehen, machte sie eine ernste Miene und sagte, dass in wenigen Kilometern eine bergige Umleitung auf uns warten würde. Also strampelten wir bei fast 40 Grad
noch mal zusätzliche 100 Höhen und kamen erschöpft in Roding an.
Die Stadtbesichtigung in Roding ging schnell von statten. Erstens waren wir inzwischen schon besichtigungsmüde, zweitens hielt sich das touristische bzw. historische Angebot in überschaubaren Grenzen und drittes war es immer noch sehr heiß. Die Pizzeria Puglia hatte am beschaulichen Ufer der Regen ein paar Tische aufgestellt. Dort ließen wir den Tag ausklingen.
Tag 09 - Roding nach Regensburg
Der
Wetterbericht hatte recht. In der Nacht zogen Gewitter auf und brachten Abkühlung. Als wir los fuhren, sah der Himmel an manchen Stellen schon bedrohlich aus. Mal sehen, ob wir heute trocken zum Ziel kommen. Mit Regenkleidung hatten wir aufgrund der stabilen Hochdrucklage unser Gepäck nicht belastet.
Zwei Kilometer nach Roding sollte sich der Weg wieder vom Fluss entfernen und mit 100 Höhen über einen Berg ins andere Tal führen. Das hatten wir schon bei der Planung der Strecke gesehen und einen alternativen Weg ohne wesentliche Höhen gezeichnet. Oft hat sich unsere Planung als positiv herausgestellt, diesmal leider nicht. Nach anfangs noch gut befahrbarer Spur wäre der letzte Kilometer selbst mit dem MTB wegen Treppen und starker Wurzeln nicht mehr fahrbar gewesen. Mit den schwer beladenen Tourenrädern taten wir uns noch schwerer.
Irgendwann hatten wir auch das gemeistert, kamen um den Höhenzug herum und wurden von schwarzen Wolken empfangen. Dass das nicht ohne Feuchtigkeit von oben abgehen würde, war uns spätestens jetzt klar - und so kam es auch. Wir konnten uns gerade noch unter etwas schützende Bäume flüchten, bevor eine heftige Schauer begleitet von stürmischen Böen auf uns hernieder prasselte.
Heute hatten wir alle Feinde das Radfahrens gegen uns: Regen, stürmischer Gegenwind und Berge. Die ersten zwei Elemente kannten wir nun schon, das dritte, der Berg wartete nach weiteren ca. 15 Kilometern auf uns. Auf den nächsten sechs Kilometern waren 250 Höhenmeter zu überwinden. Das ist im Prinzip nicht so dramatisch, wenn nicht teilweise, für bepackte Reiseräder extrem steile Stücke, von 19 % dabei gewesen wären. Oben angekommen im Ort Wald trafen wir auf die
stillgelegte Bahnstrecke "Falkenstein - Regensburg". Hier war es äußerst angenehm zu fahren und das bis Regensburg. Lediglich die extrem starken Windböen machten uns gerade in exponierten Lagen zu schaffen.
In Regensburg fanden wir dank der kompetenten Tourist-Info schnell eine gemütliche Unterkunft in der Altstadt. Aufgrund mehrfacher voriger Besuche dieser Stadt beließen wir es bei einem gemütlichen Rundgang und nahmen das eine oder andere kulinarische Angebot war. Hier beendeten wir unsere erlebnisreiche Radtour und fuhren am Folgetag mit dem Zug nach Rosenheim zurück.
Fazit>
Wir waren
noch nie mit den Rädern in der Tschechischen Republik und hatten zu Beginn der Reise doch die eine oder andere Frage an uns selbst.
Wie wird die Verständigung?
Gibt es überall Zimmer zur Übernachtung?
Gibt es Radwege oder müssen wir auf die Straße?
Wie ist die Beschilderung?
Und, und, und?
All die Fragen konnten wir bei dieser Reise wohlwollend beantworten, wie auch aus diesem Bericht zu entnehmen ist. Zusammenfassend können wir nur eines sagen:
Es war eine tolle Reise in einem schönen Land mit liebenswerten Menschen - und wir kommen gern wieder, vielleicht schon bald. Tschechien hat uns süchtig gemacht, und das liegt nicht nur am Pilsner Urquell.
Juli 2015
Kurt und Uschi
*) Man möge es entschuldigen, dass ich bei der tschechischen Schreibweise der Namen die Akzente weggelassen habe.
Rücksprung zum vorherigen Bild oder zum letzten Thema
Diverse Berichte
1. Gesamt - Cheb - ...
2. Cheb - Karlsbad
3. Karlsbad - Kadan
4. Kadan - Manetin
5. Manetin - Plzen
6. Plzen - Domazli ...
7. Domazlice - Rod ...
8. Roding - Regens ...
Freie Weltkarte
Das Dokument ist zu Ende. Es folgt nur noch die Navigation in der Fußzeile.