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erstellt von Kurt am 26.03.2022 / letzte Änderung am 30.09.2022
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Wer interessiert sich schon für Steinbrüche?
Nur wenige
wissen, dass seit dem frühen Mittelalter in Altenbeuern und Brannenburg Mühlsteine für Wassermühlen gebrochen wurden, die so begehrt waren, dass sie von den Schiffsleuten auf dem Inn bis nach Böhmen und Ungarn verbracht wurden. Die Tour Mühlsteinbrüche im Inntal - Streifzug durch die Geschichte der Mühlsteine im Inntal ist diesen Relikten der Vergangenheit gewidmet. In verschieden Stationen werden sie vorgestellt.
Zwölf Personen hatten Interesse an dieser Kultour. Ab der Turneralm ging es los. Der Wetterbericht hatte sonniges Wetter mit 17 Grad für diesen Tag Mitte März gemeldet. Die Sonne war wohl da, jedoch hinter einer Wand aus Saharasand versteckt. So kamen wir auf schlappe 10 Grad maximal. Dass Saharastaub in der Luft war, lässt sich eindrucksvoll an den Bildern (Bild-Nr. 2215-2222) erkennen, die alle einen braunen Farbstich aufweisen.
Auf ruhigen Wirtschaftswegen durch die Felder erreichten wir nach ca. 18 km den Biberberg von Brannenburg. Nach einem kurzen Stopp bei den Bibersteinbrüchen der Unternehmen Huber, Feicht und Grad strampelten wir hinauf zur Biberhöhe. Der dortige Festplatz ist eine Augenweide, und man kann sich vorstellen, wie gemütlich es hier bei dem jährlichen Biberfestes zugeht. Das wird anlässlich des Patroziniums des Biberkircherls vom "Trachtenverein Riesenkopf Degerndorf" veranstaltet.
Wie eine Insel liegt die Biber mitten in Degerndorf am Inn.
Der bewaldete Bergrücken aus Nagelfluh, einem Konglomerat, entstand in der letzten Eiszeit. Es ist dokumentiert, dass hier bereits ab dem Jahr 900 Mühlräder gebrochen wurden. Seitdem war die Anhöhe einer der wichtigsten Steinbrüche der Region. Und auch jetzt wird noch an gleicher Stelle Nagelfluh abgebaut. Zahlreiche Höfe in Brannenburg und Degerndorf zeugen von der langen Tradition des Nagelfluh als Baustoff.
Malerisch liegt das Kirchlein in einer ringförmig angelegten, mit Holzschindeln gedeckten Mauer auf einer
abfallenden Wiese. In der Mauer, in Nischen eingelassen, befindet sich ein Kreuzweg mit 14 Stationen. Die Anlage von 1733/34 gehört zu den frühesten erhaltenen Kreuzwegen Bayerns.
Die Entstehung der Magdalenenkirche geht auf einen Eremiten zurück. 1626 ließ sich an der Felswand unterhalb des heutigen Kirchleins der erste Klausner Johannes Schelle nieder. Mit Erlaubnis des Grundherrn ließ er auf dem Höhenrücken eine erste Wallfahrtskirche errichten. Bis 1813 lebten an der Felswand Eremiten und unterrichteten die Dorfjugend.*1)
Von der
Magdalenenkirche führt nach Süden eine steile Treppe hinab zu jener Felswand, in die zahlreiche Höhlen und Kapellen gehauen wurden.*2)
Wir besichtigten die Einsiedelei und die Stationen der Wallfahrtskirche St. Magdalena. Der weitere Verlauf der Tour führte auf einem schönen Wanderweg um dem Bibergerg herum. Vorbei am Flugglände Grießenbach östlich von Brannenburg überquerten wir Autobahn und Inn und strampelten auf dem Innradweg Neuenbeuern entgegen. Am schönen Marktplatz gelegen kehrten wir im Gasthaus Stangenreiter bei guter kroatisch-mexikanischer Kost ein. Danach standen die Mühlsteinbrüche von
Altenbeuern, Saxenkam und Neubeuern auf dem Programm.
Über Holzham führte uns der Weg zum Steinbruch Saxenkam, der ganz unscheinbar versteckt am Wegesrand liegt. Eine schöne, lange Abfahrt und ein kurzer Anstieg brachte uns zu dem wohl schönsten Objekt dieser Tour, dem Mühlsteinbruch in Hinterhör. Er zählt zu den schönsten Geotopen in Bayern. Hier ist in besonders eindrucksvoller Weise zu bestaunen, wie die Mühlsteine aus der Wand gebrochen wurden.
Die nächste Station, der Steinbruch am Bürgl ist heute eine Freilichtbühne par excellence. Zudem wird das Gelände für das Waldfest genutzt, das jährlich vom "Trachtenverein Altenbeuern" veranstaltet wird.
Das war vor Coronazeiten auch schon ein geselliges Ziel von RoRadln.
Über den Steinbruch am Eckbichl erreichten wir nach einem kräftigen Anstieg die Wolfsschlucht. Sie ist ein ehemaliger Steinbruch in Neubeuern. Die Schlucht ist ca. 300 m lang und auf der Nordseite des Neubeuerer Schlossbergs gelegen. Im Mittelalter wurden hier Mühl- und Schleifsteine gebrochen und über den nahen Inn mit Pferdefuhrwerken verschifft. Die etwa dreißig Meter hohen Wände lassen erahnen, wie viele Mühlsteine hier abgebaut wurden, bis daraus die heute sichtbare Schlucht entstehen konnte.*3)
Zum
Abschluss fuhren wir über den Schlossberg von Neubeuern, das Schloss selbst ist im Privatbesitz und beherberg ein Internat. Daher ist hier eine Besichtigung mit obligatorischen Blick vom Schloss auf den Ort und ins Inntal nicht möglich. Über Thansau war der Rückweg nach Rosenheim geplant. Da jedoch eine Teilnehmerin über Raubling zurückfahren wollte, benutzten wir die Autobahnbrücke über den Inn, und erreichten über Kaltwies die Stadt Rosenheim.
*1) Münchner Merkur vom 30.10.2010 - Im Bann der Eremiten
*2) https://de.wikivoyage.org/wiki/Brannenburg#Sehenswürdigkeiten
*3) https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfsschlucht_(Neubeuern)
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